Eines hat die große Koalition mittlerweile gelernt – ihre Konkurrenten von der Opposition sind bisweilen äußerst ausgeschlafen.
Erst ließen CDU- und FDP-Politiker die Namen von der Leyen und Schäuble kolportieren, um dann letztendlich doch Christian Wulff als Hauptkandidaten für die Kandidatur als Bundespräsident aufzustellen.
Schulterklopfen hier und da, anerkennendes Nicken, man war fest überzeugt den sicheren Sieger aufgestellt zu haben.
Doch während sich in den Reihen der großen Koalition Optimismus breit machte, holte die Opposition in Gestalt von SPD und Grünen zum Gegenschlag aus – Joachim Gauck wurde als Gegenkandidat aufgestellt.
Gauck ist das Mittel der Opposition, das von der Substanz eher eine Gesamtmischung ist, denn sich selbst bezeichnet Gauck als “linken, liberalen Konservativen” und “aufgeklärten Patrioten”. Müßig zu erwähnen, dass Gauck zudem parteilos ist.
Doch genau darauf zielt anscheinend die Planung der SPD und Grünen ab – Gauck nominieren, um auf Stimmenfang zu gehen. Das man mit dem ehemals Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen der DDR sich bei der Linken keine großen Freunde machen würde, war vorhersehbar. Gauck setzte sich nämlich für eine schonungslose Aufklärung ein und dürfte es sich somit bei so einigen Linken mit SED-Vergangenheit verscherzt haben.
Er soll jedoch nicht nur die Stimmen der SPD und Grünen erhalten, sondern auch bei CDU und FDP fischen, vorrangig Unzufriedene, die ihren konfusen Regierungsparteien vielleicht ein Denkzettel verpassen wollen.
Mit einem Schachzug hat die Opposition also die erste Schlacht, aber noch nicht den Krieg gewonnen. Gauck, der parteilose Kandidat, könnte zum “Vater der Nation” aufsteigen und sich als Vermittler einsetzen – in Zeiten dieser grandios zerstrittenen Parteien vielleicht genau die richtige Wahl.
Übrigens – auch die erste Medienschlacht hat Gauck gewonnen, nicht geringere Magazine als Bild, Welt und Spiegel nahmen ihn auf die Titelseite um ausführliche Proartikel anzuschließen.
So schließe ich mit dem von der Bild geprägten Wortspiel:
“Yes, we Gauck!”.
Schlagworte: Bundespräsident, Gauck, Schäuble, von der Leyen, Wulff



